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Suhl: Zum Foltermord an einem „Asozialen“

Eintragsdatum: 2012-12-23Quelle: Antifa Suhl/Zella-Mehlis

Im Juni diesen Jahres folterten und töteten drei junge Männer einen 59-jährigen Mann in einem Suhler Plattenbau, um, wie die Presse schrieb, „Geld von ihm zu erpressen“. Dass Habgier der ausschlaggebende Grund gewesen sein soll, ist nur Zeichen fehlender Analyse gesellschaftlicher Ausschlussmechanismen. Der Mann wurde letztendlich nicht gefoltert, weil er zu wenig Geld rausrückte, sondern weil die Täter sich in ihren gescheiterten Existenzen an ihm aufrichten wollten.

Gründe der Gewalt

In der rassistischen Verfolgung, die sich gegen Flüchtlinge, Migranten oder schlicht „Ausländer“ richtet, kompensiert das verfolgende bürgerliche Subjekt seine Angst vor dem Untergang in der allgemeinen kapitalistischen Konkurrenz. Es verfolgt seine Opfer, um sie als potentielle oder wirkliche Konkurrenten, um die in dieser Gesellschaft verknappten Ressourcen, zu beseitigen und sich als Teil eines Kollektivs fühlen zu dürfen, in dem man vor Verfolgung vermeintlich qua Geburt geschützt ist. (Zur Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Verhältnis des Rassismus) Die Verfolgung von Obdachlosen oder sogenannten „Asozialen“ folgt im Grunde derselben psychosozialen gesellschaftlichen Dynamik, in der meist fast ebenso gesellschaftlich Geächtete noch die verfolgen, die sie als Rangniedere wahrnehmen, um sich an deren Verfolgung aufzurichten. Der Ermordete von Suhl war ein solcher Mensch, den die Gesellschaft als „Asozialen“ abstempelt. Nichtmal seinen Namen verwendet die Presse, sie nennt nur seinen Spitznamen: „Fisch“ bzw. im Viertel auch bekannt als der „Kippensammler“, was wohl daher rührt, dass der Mann in Papierkörben nach Pfandflaschen und Tabakresten suchte, um seine eigene Armut etwas erträglicher zu gestalten. Der Mann wohnte in einer Ein-Raum-Wohnung in der Ringbergstraße in Suhl-Nord, in der ihn seine drei Peiniger auch überfielen. Die drei jungen Männer waren in einer ganz ähnlichen Situation wie ihr Opfer, alle drei waren arbeitslos und hatten ihre Ausbildungen abgebrochen. Sie befanden sich selber am Rand der Gesellschaft, perspektivlos und verarmt. Um der Einsicht in ihre eigene Nichtigkeit und Überflüssigkeit, zu der die Menschen in dieser Gesellschaftsordnung verdonnert sind, zu entgehen, bedienten sie sich – freilich unbewusst – eines gesellschaftlichen Mechanismus, wie er auch im Rassismus zur Geltung kommt. In der Unterwerfung des rangniederen „Asozialen“ durch äußerste Gewalt, gewannen sie für kurze Zeit die Handlungsfähigkeit zurück, die ihnen die Gesellschaft vorenthält. Sie fanden in ihrer eigenen Aufwertung gegenüber ihrem Opfer Kompensation für jene verlustig gegangene Verfügung über sich selbst, die in dieser Gesellschaft verliert, wer sein Auskommen nicht durch Lohnarbeit bestreitet und deswegen vom Subjekt seiner Arbeitskraft zum Objekt des Arbeitsamtes degradiert wird.

Folter und Mord

Die drei kahl geschorenen Männer (über Verbindungen zu organisierten Nazistrukturen ist nichts bekannt) räumten beim inzwischen laufenden Gerichtsverfahren weitgehend ein, ihr Opfer geschlagen, mit Stahlkappenschuhen getreten, einen Stuhl, einen Tisch und einen Fernseher auf seinen Körper geworfen zu haben, ihn mit brennenden Zigaretten gequält und mit weiteren Grausamkeiten gedemütigt zu haben. Schon am Morgen vor der Tat haben sie ihr Opfer bestohlen und drangsaliert (wen diese Details interessieren, siehe unten die Berichte aus dem Freien Wort). Vor Gericht zeigt keiner der Täter so etwas wie Reue, am Tatort, gestanden sie, sich über die Notlage des Mannes amüsiert und keinen Moment daran gedacht zu haben, dem Sterbenden einen Arzt zu rufen. Der Mann wurde nach mehreren Tagen von einem Sozialarbeiter und der Polizei tot in der Wohnung aufgefunden.

Regression statt Revolution

Die Verfolgung von „Asozialen“, „Ausländern“ oder anderen Menschen und Gruppen, die in dieser Gesellschaft an den Rand gedrängt werden, ist nicht zuletzt ein Ausdruck fehlender gesellschaftlicher Solidarität. Denn anstatt sich als „Verdammte dieser Erde“, als „Heer der Sklaven“ zusammenzutun und solidarisch für eine bessere Gesellschaft zu kämpfen, wie es die „Die Internationale“ von 1871 forderte, schreitet das bürgerliche Subjekt statt zur Revolution zur regressiven Verteidigung des nichtigen Selbst. Es verteidigt seinen Selbstwert als atmende Ware in einer Gesellschaft, deren Zweck in nichts anderem besteht, als der rastlosen Vermehrung von Tauschwerten. Die bürgerliche Thüringer Presse kann diesen Zusammenhang nicht fassen. Sie weiß nur von Habgier nach 27 erbeuteten Euro zu berichten und vielleicht noch von „Verrohung der Jugend“, deren Ursache sie höchstens in Videospielen sucht, aber bestimmt nicht in gesellschaftlichen Verhältnissen, die samt ihrer Ausschlussmechanismen und Krisenerscheinungen abzuschaffen wären.

Der Aufschrei bleibt aus

Erinnert sei hier an den Mord am 6-jährigen Mädchen Mary-Jane vor über einem Jahr im benachbarten Zella-Mehlis. Als sie im Juni 2011 missbraucht und ermordet wurde, war der Aufschrei des Mobs groß. (Antifa Suhl / Zella-Mehlis berichtete) Im Getümmel der Gutmenschelnden konnte man sich damals einerseits der eigenen moralischen Überlegenheit versichern und andererseits zum Gegenschlag gegen eine andere Randfigur ausrufen. Dass der Aufschrei heute ausbleibt, hat Gründe. Der 59-jährige Ermordete ist eben keine Identifikationsfigur, sondern nur ein stadtbekannter Trinker und die Mörder sind keine „Triebtäter“, sondern im Grunde derselbe Schlag Mensch, wie der Mob selbst, der eben nur in seiner Mehrzahl irgendwie noch die Kurve und einen mehr oder minder schäbigen Job bekommen hat. Deswegen gibt es für „Fisch“ keine Demonstrationen, keine Blumen, kein Gedenken und die Gesellschaft bleibt die unsolidarische und menschenfeindliche, gegen die so dringend gemeinsamer Widerstand nötig wäre.








MDR, 21.06.2012: http://www.mdr.de/thueringen/sued-thueringen/leiche112.html
Kriminalität

Leichenfund in Suhl

In Suhl ist am Donnerstag die Leiche eines Mannes entdeckt worden. Nach Angaben der Polizei wurde der 59-Jährige wahrscheinlich ermordet. Der Mann habe massive Kopfverletzungen.

Der Tote war von einem Sozialarbeiter entdeckt worden, der das Opfer betreut und seit mehreren Tagen nicht gesehen hatte. Deshalb öffneten Beamte am Nachmittag die Wohnung in der Plattenbau-Siedlung. Dort fanden sie die Leiche auf dem Boden liegend. Außerdem entdeckten sie Spuren eines Kampfes. Deshalb geht die Polizei von einem Gewaltverbrechen aus. Der Todeszeitpunkt ist aber noch unbekannt. Eine Sonderkommission von Polizei und Staatsanwaltschaft wurde gebildet, um den Fall aufzuklären.



MDR, 22.06.2012: http://www.mdr.de/thueringen/sued-thueringen/leiche114.html

Haftbefehle nach Leichenfund

In Suhl ist nach dem gewaltsamen Tod eines 59-Jährigen Haftbefehl gegen zwei junge Männer erlassen worden. Einem 17-Jährigen und einem 23-Jährigen wird vorgeworfen, den Mann vor einer Woche getötet zu haben. Außerdem wird gegen einen dritten Verdächtigen ermittelt. Er konnte aber noch nicht festgenommen werden. Sein Aufenthalt ist der Polizei nach eigenen Angaben bekannt.

In einer ersten Vernehmung räumten die beiden jungen Männer ein, das Opfer wegen Geldforderungen körperlich misshandelt und gequält zu haben. Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen drangen sie am 16. Juni in die Wohnung des Mannes ein. Dort soll es dann zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen sein. Opfer und Täter sollen sich gekannt haben. Alle Beteiligten sind amtsbekannt.

Die Leiche des Mannes war am Donnerstag in seiner Wohnung in einem Plattenbaugebiet von der Polizei entdeckt worden. Erste Spuren deuteten bereits auf ein Gewaltverbrechen hin. Die Obduktion ergab, dass der Mann an der Vielzahl seiner Verletzungen innerlich verblutet ist. Genauere Angaben zur Art der Verletzungen und möglichen Tatwaffen wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht machen, um kein Täterwissen zu verraten.



MDR, 23.06.2012: http://www.mdr.de/thueringen/leiche116.html
Suhl

Ermittlungen zu Mord im Plattenbau dauern an

Im Fall eines in Suhl getöteten Mannes ist der Haftbefehl gegen einen der drei Tatverdächtigen außer Vollzug gesetzt worden. Der Mann sei auf freiem Fuß, die Polizei wisse, wo er sich aufhalte, sagte ein Polizeisprecher.

Die beiden anderen mutmaßlichen Täter sitzen weiter wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. In ersten Aussagen hatten die beiden 17- und 23-Jährigen nach Angaben der Polizei gestanden, das Opfer wegen Geldforderungen körperlich misshandelt und gequält zu haben. Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen drangen sie am 16. Juni in die Wohnung des Mannes ein. Dort soll es dann zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen sein. Opfer und Täter sollen sich gekannt haben. Alle Beteiligten sind amtsbekannt.

Die Leiche des Mannes war am Donnerstag in seiner Wohnung in einem Plattenbaugebiet von der Polizei entdeckt worden. Erste Spuren deuteten bereits auf ein Gewaltverbrechen hin. Die Obduktion ergab, dass der Mann an der Vielzahl seiner Verletzungen innerlich verblutet ist. Genauere Angaben zu möglichen Tatwaffen wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht machen, um kein Täterwissen zu verraten.



MDR, 20.12.2012: http://www.mdr.de/thueringen/sued-thueringen/leiche138.html

Angeklagter gesteht Beteiligung an Mord in Suhl

Landgericht Meiningen

Vor dem Landgericht Meiningen müssen sich seit Donnerstag drei Männer wegen eines brutalen Mordes an einem 59-jährigen Mann verantworten. Den Männern im Alter von 18, 20 und 23 Jahren wird vorgeworfen, im Juni dieses Jahres einen Mann gequält und gefoltert zu haben, um Geld von ihm zu erpressen. Das Opfer starb noch in der eigenen Wohnung an seinen Verletzungen.

Zu Beginn des Prozesses gestand der 18-jährige Angeklagte, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Weil das Opfer sein Geld nicht herausgeben wollte, habe er aus Wut darüber einen Stuhl auf dem Kopf des Mannes zerschlagen. Sein 23-jähriger Bruder habe zudem eine Tischplatte und der 20-jährige Mitangeklagte einen Fernseher auf das Opfer fallen gelassen. Die beiden anderen Männer haben angekündigt, ebenfalls zur Tat auszusagen.

Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten Mord, räuberische Erpressung mit Todesfolge und gefährliche Körperverletzung vor. Die Misshandlungen haben sich der Anklage zufolge über mehrere Stunden hingezogen. Die Beute der Täter betrug schließlich 27 Euro.



FW, 19.12.2012: http://www.insuedthueringen.de/lokal/suhl_zellamehlis/suhl/Prozess-um-brutalen-Mord-im-Suhler-Plattenbau;art83456,2242331

Prozess um brutalen Mord im Suhler Plattenbau

Meiningen/Suhl - Im Sommer wird ein 59-Jähriger in seiner Wohnung grausam zu Tode gequält. Seine mutmaßlichen Peiniger stehen jetzt vor Gericht.

Drei junge Männer aus Zella-Mehlis und Suhl müssen sich von diesem Donnerstag (20. Dezember) an wegen eines schockierenden Mordes vor dem Landgericht Meiningen verantworten. Sie sollen Mitte Juni dieses Jahres einen 59-Jährigen in dessen Plattenbauwohnung in Suhl-Nord zu Tode malträtiert haben. Das Motiv: Zwei Brüder im Alter von 18 und 23 Jahren und ihr 20 Jahre alter Kumpan wollten Geld. Der Anklageschrift zufolge schlugen sie ihr Opfer unter anderem mit Fäusten, einem Stuhl und einer 13 Kilo schweren Tischplatte. Danach ließen sie das Opfer schwer verletzt und blutend liegend, kehrten aber laut Staatsanwaltschaft nach drei Stunden wieder, um ihre Misshandlungen fortzusetzen. Der 59-Jährige starb später allein in seiner Wohnung.

Knapp eine Woche nach dem Mord hatte die Polizei die drei jungen Männer festgenommen, das Bruderpaar sitzt seither in Untersuchungshaft. In ihrer polizeilichen Vernehmung hatten die drei Beschuldigten gestanden, den 59-Jährigen misshandelt zu haben. Allerdings widersprachen sich ihre Aussagen hinsichtlich der Tatbeteiligung. Das Trio ist nach Gerichtsangaben bereits wegen Diebstählen und gefährlicher Körperverletzung vorbestraft. Der 20-Jährige soll zudem wegen Verhaltensauffälligkeiten in der Psychiatrie gewesen sein.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft gingen die Angeklagten äußerst brutal vor. Sie forderten von ihrem Opfer zunächst Geld. Nachdem ihnen der 59-Jährige nur zwei Euro gab und beteuerte, dass das alles sei, was er habe, sollen sie ihn geschlagen haben. Als sie dann in der Schrankwand 25 Euro fanden, sollen sie vor Wut regelrecht ausgerastet sein. Einer zerschlug den Wohnzimmertisch und prügelte mit der Platte auf den 59-Jährigen ein. Als sie ein zweites Mal zurückkehrten, soll der schwer verletzte und stark blutenden Mann auf der Couch gelegen haben. Sein lebensbedrohlicher Zustand hielt die jungen Männer nicht davon ab, ihn weiter zu quälen. Laut Gericht schlug einer der Angeklagten sein Opfer so lange weiter, bis er sich nicht mehr regte. Um festzustellen, ob der Gepeinigte noch lebe, habe einer der Angeklagten dem wehrlosen Mann auf den Kopf uriniert, ein anderer steckte ihm glühende Zigarettenstummel in die Nase. Die Brutalität der jungen Männer hatte damit aber immer noch kein Ende. Nach Angaben des Gerichtes ließen die Angeklagten auch noch einen 21 Kilo schweren Fernseher auf seinen Kopf fallen. Weil sie Geräusche im Treppenhaus gehört hatten, sollen die Männer die Wohnung daraufhin verlassen haben. Das Opfer soll zu diesem Zeitpunkt noch gelebt haben, aber nicht mehr in der Lage gewesen sein, Hilfe zu rufen. Der Betreuer des Mannes fand den Leichnam mehrere Tage später.

Der «Focus» hatte berichtet, dass Polizisten zwei Stunden vor Beginn der tödlichen Misshandlungen die drei Schläger kontrolliert hatten, weil einer von ihnen unmittelbar vor dem späteren Tatort einen jungen Mann verprügelt haben soll. Die Beamten hätten den Vorfall protokolliert. Ein Alkoholtest habe bei dem 20-Jährigen 2,56 Promille ergeben. Obwohl der vorbestrafte Gewaltkriminelle nur unter Bewährung auf freiem Fuß gewesen sei, hätten ihn die Polizisten gewährenlassen, hieß es in dem Bericht. Ein Gerichtssprecher bestätigte die Alkoholkontrolle.

Für den Prozess in Meiningen sind im Januar noch sieben Fortsetzungstermine anberaumt. In dem Verfahren sollen neben zwei Gutachtern auch zehn Zeugen gehört werden. dpa/cob



FW, 20.12.2012: http://www.insuedthueringen.de/lokal/suhl_zellamehlis/suhl/Angeklagte-gestehen-toedliche-Folter-in-Suhl;art83456,2245138

Angeklagte gestehen tödliche Folter in Suhl

Meiningen - Auch hartgesottene Beobachter beschreiben den Fall als außergewöhnlich brutal: Wegen letztlich 27 Euro haben drei junge Männer im Juni einen 59-Jährigen zu Tode gefoltert. Der Prozessauftakt gab eine Ahnung von seinem Martyrium.

Zu Beginn des Meininger Mordprozesses um die brutale Misshandlung eines 59-Jährigen haben die drei Angeklagten gestanden. Bei den genauen Abläufen schoben die Männer sich aber am Donnerstag gegenseitig die Schuld zu. Sie räumten ein, im Juni ihr Opfer in dessen Wohnung in Suhl geschlagen zu haben. Der Mann wurde laut Anklage zu Tode gequält. Zunächst hätten sie Geld von ihm gewollt. Die drei Männer gingen nach den bisherigen Ermittlungen unter anderem mit einer Tischplatte auf ihr Opfer los und ließen schließlich einen mehr als 20 Kilo schweren Fernseher auf ihn fallen. Der 59-Jährige starb Stunden später in seiner Wohnung.

Die drei sollen ihrem späteren Opfer zunächst am Abend im Treppenhaus Bierflaschen weggenommen haben. Dann gingen sie laut Anklage in seine Wohnung, wo sie Geld verlangten und dem 59-Jährigen zwei Euro abpressten. Nach dem ersten Gewaltausbruch mit Schlägen und der Attacke mit der 13 Kilo schweren Tischplatten hätten sie ihr blutendes Opfer zunächst auf der Couch liegengelassen. Vor lauter Schwellungen und Blut habe er keine einzelnen Verletzungen sehen können, sagte einer der Männer vor Gericht.

Zum Anlass für den Gewaltausbruch hatte einer der Angeklagten im Polizeiverhör erklärt, der 59-Jährige habe gesagt: «Wenn Du Geld brauchst, geh doch arbeiten.» Der Beisitzende Richter hielt den Angeklagten diese Aussage vor - aber vor Gericht wiederholte sie keiner der Männer.

Schließlich gab der 18-Jährige an, dreimal in der Wohnung des Mannes gewesen zu sein, um Geld und Alkohol von ihm zu fordern. Nachdem sie etwas Kleingeld bekommen hätten, seien sie wieder gegangen. Später seien sie nochmals zurückgekehrt, und er habe den 59-Jährigen zunächst mit dem Ellenbogen gegen die Brust geschlagen, so dass der Mann auf die Couch fiel. «Wir hatten kein Geld und wollten ein bisschen feiern», sagte er.

Da er noch mehr Geld in der Wohnung vermutete, habe er es verlangt. Nachdem ihm der Mann erneut zwei Euro gegeben hatte, habe er einen Stuhl auf dem Kopf des Mannes zerschlagen. «Das war nicht genug», sagte er. Zugleich gab er zu, ein aggressiver Mensch zu sein, der unter Alkoholeinfluss noch aggressiver werde. Als er dann 25 Euro in der Schrankwand des Mannes gefunden habe, sei er wütend geworden. Deshalb habe er erneut zugeschlagen: «Ich kann das nicht leiden, wenn mich jemand anlügt.»

Dann habe er zusammen mit dem 20-Jährigen die Wohnung verlassen, um an einer Tankstelle Alkohol und Tabak zu kaufen. Danach seien sie zurückgekehrt, hätten weiter auf den Mann eingeschlagen und eingetreten. Um zu sehen, ob er noch lebt, habe sein 23-jähriger Bruder eine Tischplatte auf das auf der Couch liegende Opfer geworfen, auf die er anschließend sprang. Zudem habe der dritte Angeklagte einen Fernseher auf den Mann fallen lassen. Nach Aussage des jüngsten Angeklagten hat der 59-Jährige noch gelebt, als sie die Wohnung verließen.

Nach Erkenntnissen der Gerichtsmediziner war der 59-Jährige aber bereits am Vormittag an massiven inneren und äußeren Blutungen gestorben. Die Leiche entdeckte einige Tage später ein Betreuer des Mannes, der ihn länger nicht mehr gesehen hatte.

Zwei der Angeklagten - Brüder im Alter von 18 und 23 Jahren - sitzen in Untersuchungshaft. Außer Vollzug gesetzt ist der Haftbefehl für einen 20-Jährigen, der an Knochenkrebs leidet. Er habe schon wegen seines körperlichen Zustands den Fernseher nicht auf das Opfer fallen lassen können, verteidigte er sich. Der 20-Jährige, der eine Etage über dem späteren Opfer wohnt, ist allerdings genauso wie seine beiden Mitangeklagten wegen Gewaltdelikten vorbestraft.

Der Prozess soll am 8. Januar fortgesetzt werden. dpa/dapd/cob



FW, 21.12.2012: http://www.insuedthueringen.de/regional/thueringen/thuefwthuedeu/Zu-Tode-gequaelt-wegen-ein-paar-Euro;art83467,2245497

Zu Tode gequält wegen ein paar Euro

Drei junge Männer sollen in Suhl einen 59-Jährigen grausam getötet haben. Am Donnerstag wurde der Mord-Prozess eröffnet. Ein Wort des Bedauerns war bisher nicht zu hören.

Meiningen - Sein Spitzname war "Fisch", die Leute im Viertel nannten ihn "den Kippensammler". Es soll getuschelt worden sein, er habe Geld. Versteckt, in seiner Ein-Zimmer-Wohnung in einem Plattenbau in Suhl. Der Mann ist tot, während einer Nacht und eines Vormittags im Juni einen wahrscheinlich elenden, langsamen Tod gestorben - gefoltert, gequält, zerschlagen, blutend.

Der Mann, sagt die Vorsitzende Richterin am Landgericht in Meiningen, könne "selbst nicht mehr zu Wort kommen". Er werde aber - und darauf weist sie nicht nur einmal hin - quasi über die Gerichtsmedizinerin "aussagen". Auf diese Weise, sagt sie eindringlich, "wird er hier sein". Auf diese Weise soll geklärt werden, was dem Mann angetan worden ist. Soll wohl heißen: Genug der Lügen, der Halbwahrheiten, der Relativierungen - wovon es anscheinend im Ermittlungsverfahren viele gegeben hat. Weitere sieben Verhandlungstage sind für den Prozess angesetzt - es ist zu erwarten, dass jede Spur, jeder Fingerabdruck, jedes Detail von Sachverständigen diskutiert wird.

Angeklagt wegen schwerer Misshandlung, Raubs, Erpressung, Mord aus Habgier und niedrigen Beweggründen sind drei junge Männer. Ein 20-Jähriger aus Suhl, ein 18-Jähriger aus Zella-Mehlis und sein 23-jähriger Bruder, der im selben Haus in Suhl wie das Opfer wohnte. Über ihr Leben ist noch nicht gesprochen worden. Erörtert ist nur, dass sie alle keine Ausbildung haben und - ihren Aussagen zufolge - ihre Tage mit "Musik hören" und "xbox-spielen" verbringen. Und mit "feiern". Was wohl schlicht bedeutet, viel Alkohol zu trinken. Alle seien "nicht gerichtsunerfahren", sagt die Richterin, mindestens einer ist wegen Gewaltdelikten vorbestraft. Die Brüder sitzen in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl gegen den 20-Jährigen ist aufgehoben, weil er wegen Knochenkrebs in Behandlung ist. Falls er so krank ist, wie er aussieht, steht es nicht gut.

Was in der Anklage steht - unsäglich, allein, wenn man nur zuhören muss - gibt das Trio weitestgehend zu. Dass geschlagen und mit Stahlkappenschuhen getreten, auf das Opfer gesprungen wurde. Dass ein Stuhl unter der Wucht der Schläge zerbrach. Dass eine 13 Kilo schwere Tischplatte und ein 21 Kilo schwerer Fernseher geworfen wurden. Dass es Quälereien mit glühenden Zigaretten, Holzstückchen und einem schweren Aschenbecher gab. Dass der 59-jährige Mann auf schlimmste Weise gedemütigt worden ist.

Der 23-Jährige will kaum beteiligt gewesen sein; die beiden anderen belasten sich und ihn; alle versuchen, Schuld von sich auf die anderen zu schieben. Es ging um Geld, das sie haben wollten, um Bier und Schnaps zu kaufen. Schon früh am Tag, im Treppenhaus, muss angefangen haben, was die Angeklagten beharrlich "das alles" nennen. Dort wollen der 18- und der 20-Jährige den 59-Jährigen getroffen und von ihm Geld gefordert haben. Zwei Euro haben sie bekommen, dann "haben wir ihm ein paar Bier aus seiner Tüte weggenommen", sagt der 18-Jährige. Im Verlauf des Nachmittags und Abends sind sie - zu zweit oder zu dritt - mehrmals in der Wohnung des Opfers gewesen, um nach Geld zu suchen, Pfandflaschen zu stehlen und den Kühlschrank auszuräumen. Zu den Gewaltausbrüchen ist es wohl gekommen, als einer 25 Euro gefunden hat.

"Der hat uns angelogen", sagt der 18-Jährige, "und ich kann es nicht leiden, wenn man mich anlügt". Sein Bruder kennt nicht einmal den Namen des Opfers - "wie heißt der?", fragt er seinen Verteidiger. Der 20-Jährige, seit seiner Diagnose "voll Wut und Hass auf die ganze Welt", gibt zu, dass "wir gelacht haben und uns belustigt".

Wegen ein paar Euro ist ein Mann gequält und sterbend allein zurückgelassen worden. Ob sie nicht darüber nachgedacht hätten, wenigstens anonym einen Arzt zu rufen? Die Richterin fragt immer wieder. Ob sie keinen Augenblick Mitleid gehabt hätten? "Wie, Mitleid?", fragt der 18-Jährige zurück. "Eigentlich nicht", sagt der 20-Jährige - am nächsten Tag habe er aber schon gedacht, "dass das zu weit gegangen ist". Er habe "eigentlich nichts gemacht", erklärt der 23-Jährige - "was soll mir auf die Füße fallen?"

Der Prozess wird fortgesetzt. m



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