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Hildburghausen: Landkreis ermöglicht Nazifest mit 1500 Teilnehmern

Eintragsdatum: 2015-05-27Quelle: Antifa Suhl/Zella-Mehlis

Die Naziwohlfühlzone Hildburghausen ist eine in Thüringen beispiellose Region. Nirgends sonst können sich Nazis derart zu Hause fühlen, wie in dem Landkreis, wo inzwischen der Neonazi Tommy Frenck das Sagen zu haben scheint. Am vergangenen Samstag nahmen 1500 Neonazis an einem der größten Nazimusikevent der letzten Jahre in der Bundesrepublik teil.

In wohl jeder anderen Stadt, in jedem anderen Landkreis wehrt sich die öffentliche Verwaltung und ihre Vorsteher zumindest mit Reglementierungen gegen Nazigroßevents, wie jenes am vergangenen Samstag. In der braunen Wohlfühlzone Hildburghausen bekommen die Nazis um die Organisatoren Tommy Frenck und Patrick Schröder nicht nur die Genehmigung bis 24 Uhr Krach zu machen, sondern ihnen wird auch noch der Bierausschank zugesagt, um, wie es offiziell heißt, den Alkoholtourismus in die Innenstadt zu vermeiden. Pustekuchen! So viele Nazigruppen, wie am vergangenen Samstag Hildburghausen besichtigten, hat die an Nazis nicht arme Kleinstadt wohl lange nicht gesehen. Nebenbei spülte der erlaubte Bierausschank wohl auch einige tausend Euro in die üppig gefüllten Kassen von Frenck und Co.

Die Anzahl und Intensität der Vorkontrollen ging gegen Null. Wenige hundert Polizisten sollten eine Veranstaltung absichern, die zum bisher größten Thüringer Naziaufmarsch des Jahres wurde und die sich in einigen hundert Metern Luftlinie Entfernung zu einer Flüchtlingsunterkunft abspielte.

Unterdessen sicherten im 30 Autominuten entfernten Coburg ungezählte Schläger des Bayrischen USK (eine Aufstandsbekämpfungseinheit der Polizei, ähnlich der Thüringer BFE) eine Demonstration von 150 Hippies, Punks und fünf handvoll Antifas gegen den Coburger Convent mit umschließender Begleitung ab. Dass es zu Gegenprotesten in Hildburghausen, egal wie klein sie nun ausfielen, überhaupt kam, ist den Anti-Nazi-Bündnissen aus Suhl und Schleusingen zu verdanken. In Hildburghausen wollte die Zivilgesellschaft den Naziaufmarsch beim Friedensgebet verschlafen. Eine Menschenkette (!) an der Nazianreisestrecke untersagten die Ordnungsbehörden übrigens. Selten hat sich das geläuterte Thüringen mit seiner Pseudocourage gegen Rechts so blamiert, wie letzten Samstag in Hildburghausen und das ist ganz sicher nicht den Leuten anzulasten, die den Protest in der Naziwohlfühlzone gewagt hatten.

Jetzt mag es widersprüchlich erscheinen, wenn Gruppen wie unsere, denen dieser Bratwurst- und Verbotsantifaschismus, den es in Hildburghausen ja nichtmal gibt, zum Hals raushängt, sich über das laissez-faire des Hildburghäuser Establishments gegenüber den Nazis beklagen. Aber der Situation des vergangenen Samstags und hunderten euphorisierten und mit dem Segen der Stadt alkoholisierten Nazischlägern konnten auch wir kaum anders begegnen, als mit einer verzweifelten Warnung, die wir über Facebook publizierten und die auch nicht dazu geeignet gewesen wäre, gezielte Angriffe zu verhindern, die zum Glück ausblieben (oder uns bisher nicht bekannt wurden). Wo Nazis heute nach Belieben schalten und walten können, wo Flüchtlinge und als solche identifizierbare Linke und deren Projekte existenziell bedroht sind, braucht es andere Strategien als mittels radikaler Gesellschaftskritik am Linksruck zu arbeiten. Das ist nicht schön, sondern Hildburghausen.

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