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Stellungnahme der Antifa Suhl/Zella-Mehlis zu den Ereignissen am Abend des 7. August 2015 im Grünen Haus Suhl

Eintragsdatum: 2015-08-12Quelle: Antifa Suhl/Zella-Mehlis

Am Abend des 7. August fand im Grünen Haus in Suhl eine Party statt, deren Erlös das drohende Aus des Hausprojekts verhindern helfen sollte und an der auch wir uns verschiedentlich beteiligten. Durch die Anwesenheit und Übergriffigkeit eines Nazis wurde die Party schließlich beendet. Die Ereignisse haben bereits Wellen geschlagen und das Haus selber hat mit einer Stellungnahme reagiert. Auch wir wollen uns, nach Aufforderung von verschiedenen Seiten, zum Sachverhalt äußern.

Zu den Geschehnissen des Abends:

Noch bevor die erste Band spielte, betrat der später zudringlich werdende Nazi das Haus. Sein T-Shirt der Naziband „Überzeugungstäter“ fiel am Einlass nicht weiter auf. Auf Hinweise der Gäste reagierte man unentschlossen. Der Nazi blieb. Nicht zuletzt, weil er einige Leute aus der Hauscrew aus „alten Zeiten“ kannte. Während des ganzen Abends provozierte der Nazi gegenüber den Leuten am Antifa-Infostand. Nachdem die zweite und damit letzte Band aufgehört hatte zu spielen (warum die dritte Band gar nicht erst spielte, ist auch so ein Problem, siehe Stellungnahme des Hauses), wurde der Nazi an der Bar zum ersten mal direkter in seiner Konfrontationssuche. Er beleidigte eine transsexuelle Frau mit homophoben und transphoben Beschimpfungen. Die Frau entfernte sich von der Bar. Wenige Minuten später suchte der Nazi die Konfrontation mit zwei Antifaschisten und wurde dabei handgreiflich. Aus Reflex distanzierte der angegriffene Antifaschist den Nazi mit einem Tritt, worauf dieser noch aggressiver wurde und Leute deeskalierend dazwischen gingen. Irgendwann nach einigen Minuten des Beschimpfens seitens des Nazis (Schwuchteln, Hurensöhne, Antifa-Fotzen, um nur einige gefallene Begriffe zu nennen) isolierten Teile der Hauscrew den Nazi von den restlichen Gästen, die danach noch 1-2 Stunden zusammen standen und diskutierten (ohne jede Spur der Aggression übrigens). Zwischen 3 und 4 Uhr, und nach mehrfacher Aufforderung durch die Hauscrew, löste sich die Zusammenkunft auf. Leider kam es während der Abreise zu unschönen Szenen mit einigen betrunkenen Gästen, die sich den Nazi, der immer noch im Haus war, nochmal vorknöpfen wollten. Dass dabei Gegenstände gegen das Haus geworfen wurden, missbilligen wir. Unsere Leute haben jederzeit darauf hingewirkt die Lage zu entspannen. Politische Konsequenzen ziehen wir gewöhnlich nicht mit 1-2 Promille, sondern nach reiflicher Überlegung. Das Haus zu attackieren wäre uns niemals in den Sinn gekommen. Wären wir zum Zeitpunkt der Angriffe noch anwesend gewesen, wären wir dazwischen gegangen.

Zur Einschätzung unsererseits:

Den Nazi im Haus zu isolieren, was auch nur dem Anspruch nach klappte (er provozierte am Fenster mit Hitlergruß, beschimpfte Frauen weiter als Antifa-Fotzen und bewegte sich bis in den Flur), war ein Fehler. Es wäre richtig gewesen ihn ohne zu zögern rauszuschmeißen und zwar bevor er Leute attackiert. Dass diese Einsicht nur einer Minderheit der Hauscrew kam, der Nazi blieb und die Veranstaltung damit beenden konnte, ist tragisch und wird in der Stellungnahme des Hauses reflektiert.

Bei einem anderen Idiot, der mit Hitlergruß am frühen Abend provozierte, erfolgte solch ein Rausschmiss umgehend; warum er bei der anderen Person ausblieb, muss die Hauscrew klären und aufarbeiten. Diesbezüglich muss im Haus etwas passieren. Über die Sache Gras wachsen zu lassen ist keine Option.

Genauso gilt es die Vergangenheit des Hauses aufzuarbeiten. Es ist nicht viele Jahre her, da war das Haus als angehender Grauzonen-Schuppen in Verruf geraten. Während dieser Zeit haben sich, befördert durch schlechte Erfahrungen im Haus, viele Linksalternative vom Projekt abgewendet und meiden zum Teil bis heute das Haus. Dabei hat sich am Grauzonen- und Gewaltproblem in den letzten Jahren einiges geändert und diese Entwicklung begrüßen wir. Im Jahr 2013 unterstützte das Haus den antifaschistischen/antirassistischen Ratschlag in Suhl und stellte die Räumlichkeiten und Technik für ein Konzert im Rahmen des Ratschlags zur Verfügung. Ein Grauzonen-Schuppen tut so etwas nicht. Seit Jahren organisieren wir antifaschistische Bildungsveranstaltungen im Haus. Ein Grauzonen-Schuppen lässt so etwas nicht zu. Ein Beispiel? Als im September 2009 noch die „Antifaschistische Gruppe Südthüringen“ (AGST) eine Informationsveranstaltung zur Leipziger Demonstration „Still not lovin' Germany“ im Haus organisierte, liefen Stadt und Ordnungsamt, aufgescheucht vom damaligen NSU-Supporter Thüringer Verfassungsschutz, Sturm und bauten Druck auf das damals noch von öffentlichen Geldern abhängige Hausprojekt auf. Auch damals stand man zu uns. Die Veranstaltung fand statt. Ein Grauzonen-Schuppen riskiert nicht sein Projekt für die Veranstaltung von als „Linksextremisten“ gebrandmarkten Kritikern von deutschen Zuständen. Allen, die jetzt also das Haus abschreiben und als rechtsoffenen Ort hinstellen, sei das gesagt: Immer wieder ermöglichte das Grüne Haus in der Vergangenheit antifaschistische Informations- und Bildungsveranstaltungen, für die in Suhl sonst wohl nirgends Platz wäre. Die Probleme im Haus und unter den Gästen sind unleugbar. Ebenso unleugbar ist die Praxis mit der sich das Haus immer wieder an die Seite von Antifaschisten stellte.

Die jüngsten Vorfälle sind eine hervorragende Gelegenheit, den Grauzonen-Mief endgültig abzuwerfen und das Haus wieder zu dem zu machen, als was es südlich des Rennsteigs in Thüringen lange Zeit fast ein Alleinstellungsmerkmal hatte: ein Hausprojekt, in dem für Nazis, Rassisten, Homophobe und Frauenfeinde kein Platz ist; einen Ort, wo jeder ohne Angst verschieden sein kann. Die Antifa Suhl/Zella-Mehlis unterstützt weiterhin jene Leute im Grünen Haus, die dafür kämpfen. Ihnen heute die Solidarität zu entziehen, würde bedeuten, das Hausprojekt der Grauzone zu überlassen, der am Haus ohnehin nichts liegt. Die Grauzone kann überall saufen.

Die Stellungnahme des Hauses interpretieren wir als ersten ganz deutlichen Schritt in die richtige Richtung. Dazu muss aber mehr passieren. Grauzonen- und Überzeugungsnazis müssen an der Tür konsequent abgewiesen werden. Es bedarf eines Konzepts, um übergriffige Personen zu verabschieden, die es durch die Tür geschafft haben (nicht alle Rechten machen es uns so leicht und tragen entlarvende T-Shirts). Und – auch wenn das in den letzten Jahren kaum noch ein Problem war – Rechtsrock- und Grauzonenmusik gehört weder auf die Bühne noch in den CD- oder MP3-Player. Das Haus soll ein Ort sein, an dem lebhaft diskutiert und gefeiert wird, aber solidarisch und ohne Angst vor Übergriffen jedweder Art. Das geht nur ohne Nazis, Rassisten, Homophobe und andere Idioten!

In diesem Sinne:

Retten wir das Haus!
Auch vor der Grauzone!


Stellungnahme des Grünen Hauses zu den Vorfällen am 06. und 07. August 2015

Am 07.08. war eine Soli-Veranstaltung zur Rettung des Grünen Hauses geplant. Im Vorfeld meldete sich eine der geplanten Bands, dass sie schon am Donnerstag anreisen wollen. Das Haus wurde geöffnet und der Abend verlief gut. Im Laufe des Abends fand die Band einige CD´s an der Bar (Freiwild, Kategorie C, Krawallbrüder) und thematisierten dies. Daraufhin kam es zum Streit zwischen den Anwesenden und es herrschte Uneinigkeit zwischen den Bandmitgliedern, ob sie am nächsten Tag noch spielen wollen. Sie entschieden sich nicht zu spielen und das Grüne Haus am Freitagmorgen zu verlassen.

Am nächsten Tag wurden die besagten CD´s entfernt und die Veranstaltung sollte wie geplant, aber ohne diese Band stattfinden. Die anderen Bands wurden über diesen Vorfall informiert und die Sache konnte geklärt werden.

Die Soliveranstaltung verlief zunächst gut. Im Laufe des Abends betrat ein Gast das Haus, machte einen Hitlergruß an der Bar und wurde daraufhin sofort des Hauses verwiesen.

Am späteren Abend kam es zu einer Auseinandersetzung mit einem weiteren Gast, welcher durch Provokationen auffiel. Der Streit wurde bis dahin selbst geklärt und nicht an die Verantwortlichen weitergegeben. Diese Person war den Hausmitgliedern bekannt und wurde bereits vor 2 Jahren des Hauses verwiesen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde er nicht wieder im Haus gesehen. Während der Pöbeleien fiel auf, dass er ein T-Shirt der Naziband „Überzeugungstäter“ trug, welches weder am Einlass, noch von anderen Gästen gleich bemerkt/erkannt wurde. Weiter bepöbelte er Gäste, was zur Eskalation führte und es zu Handgreiflichkeiten kam.

Als die Verantwortlichen zur Auseinandersetzung hinzukamen, versuchten sie die undurchsichtige Situation zu deeskalieren und trennten die anderen Gäste von der Person. Weil er für seine Gewalttätigkeiten bekannt ist, entschied der Vorstand ihn in einem separaten Raum zu isolieren. Die Veranstaltung sollte aufgelöst werden und die Gäste wurden gebeten, das Haus zu verlassen. Dies wurde von vielen verweigert: „Der Nazi soll als erstes gehen!“

Um Menschenleben nicht zu gefährden sollte jedoch das Aufeinandertreffen vermieden werden und er blieb im abgetrennten Raum. Mehrere Gäste verließen wie aufgefordert das Haus und wurden von ihm aus dem Fenster mit Hitlergruß weiter provoziert. Dadurch heizte sich die Situation erneut auf.

Die Sache verlagerte sich vor den Haupteingang, wo Vereinsvorstände versuchten ihr Handeln zu erklären. Die Tür sollte verschlossen werden und wurde daraufhin versucht einzutreten. Langsam verließ der Großteil der Gäste das Gelände. 4 Personen blieben und warfen Flaschen gegen die Hauswand und die Fenster. Währenddessen bepöbelten sie den noch anwesenden Vorstand, der versucht hatte, die Situation zu erklären. Erst als die Polizei eintraf, verließen die 4 Personen den Ort. Danach verließ auch der Nazi das Haus.

Am Sonntag den 09.08. trafen sich mehrere Vereinsmitglieder und Teile des Vereinsvorstandes um über das Geschehene zu sprechen.

Wir müssen uns eingestehen, dass wir die Situation nicht erkannt bzw. völlig falsch eingeschätzt haben. Wir, das Grüne Haus, sind uns darüber bewusst, dass es bei uns Probleme gibt, die ehrlich und transparent aufgearbeitet werden müssen. Auch wissen wir, dass dies ein Prozess ist, der nicht in Kürze abgeschlossen werden kann. Wir werden uns intensiv mit unserem Selbstverständnis auseinandersetzen und Konsequenzen ziehen. Wir bedauern die Vorfälle und möchten uns aufrichtig bei den Bands, den Gästen und Unterstützern entschuldigen.

Auf offene Fragen können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht antworten, da das Problem erst vereinsintern besprochen werden muss.

Grünes Haus Suhl

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