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Arnstadt: Boykottaufruf gegen das "Arnstädter Stadt-Echo"

Eintragsdatum: 2007-09-27Quelle: AGST

Dieses Schreiben wird verschickt an die bekannten Sponsoren, welche Werbung im Stadt-Echo setzten, an Vertreter der Medien und uns bekannte antifaschistische Akteure sowie an Interessierte. Wir bitten euch den Aufruf zu verbreiten und freuen uns über Unterstützungszuschriften und Stellungnahmen!

Boykottaufruf gegen das Arnstädter Stadt-Echo - Für konsequenten Antifaschismus

Am 06. Juli fand in Arnstadt eine Kundgebung gegen die sich festigenden neofaschistischen Strukturen in der Region statt. Wie brutal sich die aktuelle Situation wirklich darstellt, zeigen zahlreiche Übergriffe [1] und der Brandanschlag auf das alternative Wohnprojekt P20 [2], bei dem Bewohnerinnen und Bewohner hätten sterben können. Doch auch am Tag der Kundgebung sollte die Nazigewalt nicht ausbleiben. Ca. 40 teilweise vermummte Neonazis versuchten über die Marktstraße zu den Antifaschistinnen und Antifaschisten am Hopfenbrunnen vorzudringen und konnten nur durch eine Polizeikette gestoppt werden. Anschließend hielten die Nazis eine spontane Kundgebung ab und wurden von der Polizei abgeschirmt. [3]

Einige Tage darauf erschien die Juli-Ausgabe des Arnstädter Stadtecho. Der Antifaschistische Infoflyer "Alerta Arnstadt" (Ausgabe 2) [4] der Jungen Antifaschistischen Linken Arnstadt (JALA) [5] berichtete: "Dass der Herausgeber Hans-Joachim König mit Nazis kein Problem hat, bewies er in seinem Kommentar in jener Zeitung, der an falsch verstandener Toleranz und Sympathie für Faschisten nichts zu wünschen übrig ließ. Bezug nehmend auf die antifaschistische Kundgebung am 6. Juli am Hopfenbrunnen kritisierte König die Antifaschist_innen, die jeden in die "rechte Ecke" stellen, der das Wort "national" im positiven Bezug gebraucht. Für die Nazis entwickelt König im Kommentar eine Zustimmung, die einer Solidarisierung gleich kommt. Seine "Kameraden von der 'Nationalen Front'", wie König sie liebevoll bezeichnet, seien nicht nur hier aufgewachsen und "Menschen aus unserem Leben", nein, sie haben laut König auch die schlagenden Argumente, denn sie kritisieren die Globalisierung und das Gesundheitssystem. Könnte man bei einer solchen Aussage über fehlendes Hintergrundwissen und mangelndes Verständnis dessen, was die geistigen Väter dieser Neonazis anrichteten, noch lächeln, wird einem schon fast schlecht bei dem Gedanke, dass dieser H.-J. König eine Zeitung mit einer so hohen Auflage herausgibt und dort seinen geschichtsrelativierenden Unsinn zum Besten gibt.
Ferner leidet dieser Mensch schlicht an Größenwahn. Setzt er sich mit seinem Verständnis für Faschisten doch in eine Reihe mit Jesus und schreibt: "Sprach nicht Jesus mit den Verdammten, Aussätzigen und Pharisäern seiner Zeit?" und fordert zum Dialog auf."
[6]

Große Empörung fand der Kommentar ebenfalls bei der Arnstäder Linkspartei. In einem Offenen Brief schrieben die Stadtratsabgeordneten Sabine Berninger und Steffen Dittes: "Ihr Kommentar ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer des historischen Faschismus und des aktuellen Rechtsextremismus." [7] Und damit haben sie einen eklatanten Aspekt des Kommentars beschrieben: Die Verhöhnungen der Opfer des Holocaust durch die Legitimierung der neofaschistischen Bewegung.

Wochen nach dem Kommentar beraumte die AG "Demokratie braucht Zivilcourage" eine Sondersitzung ein, in der sie über die Entgleisungen Königs redete. Zugegen war auch König selber, der nach harscher Kritik der Anwesenden seine Position verteidigte und auf die August-Ausgabe seines Stadt-Echos verwies. In dieser versuchte König sich anhand von ihm zusprechenden Lesermeinungen, einer selbst verfassten Rechtfertigung und Zitaten aus dem Grundgesetz und von linken Gruppen und Einzelpersonen zu rehabilitieren. Kein Wort einer Richtigstellung oder Revidierung war da zu lesen, sondern die unbeholfene Verteidigung seines Standpunktes und einer offenkundigen Sympathie für Faschisten, welche er in vertrauten Gesprächen mit dem Arnstädter Nazikader Patrick Wiedorn am 6. Juli öffentlich zeigte (Bildbeweis in der "Alerta Arnstadt" (Ausgabe 2) [4]).

Zu den versuchten militanten Angriffen auf die antifaschistische Kundgebung äußerte sich König in keinem Wort, weder im ersten Kommentar, noch auf einer wegen ihm einberufenen Sitzung der Arnstädter AG "Demokratie braucht Zivilcourage" und auch nicht in der neuen Ausgabe des Stadt-Echos. König verschweigt in seiner Berichterstattung den Angriff über den die "Thüringer Allgemeine" am 07. Juli schrieb: "Polizei verhindert rechte Attacke gegen linke Kundgebung". [8] Das bewusste Verschweigen von Nazigewalt dient der Zementierung eines Bildes vom friedlichen und wohlwollenden Nazi, der einmal mehr Opfer des Systems wurde, in der Gesellschaft. König trägt mit seiner verharmlosenden und parteinehmenden Berichterstattung großen Anteil daran und verabschiedet sich vom professionellen Journalismus und den Grundsätzen der Mannheimer Erklärung, in denen es heißt: "Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus sowie Diffamierung und Gewalt gegen ethnische, soziale, kulturelle und andere Minderheiten sind in einer Demokratie nicht tolerabel." [9]

Demokratie und Freiheit sind für uns unvereinbar mit neonazistischem Gedankengut. Den Dialog mit Neonazis, den geistigen Enkeln der Mörder von damals, lehnen wir ab. Sie sind die Anhänger einer Ideologie, die 6 Millionen Menschen in den deutschen Vernichtungsfabriken das Leben kostete. Täglich starben tausende Menschen jüdischen Glaubens auf bestialische Weise, weil man sie ins Gas schickte, sie erschoss, sie folterte, durch Unterernährung tötete, sie "durch Arbeit vernichtete". Es ist die selbe Ideologie, das selbe Ziel, das die heutigen Nazis aus NPD und Kameradschaften verfolgen. Wer sie und ihre Ziele verharmlost, wer sie verschweigt oder unterstützt, der trägt Mitschuld für ihre Verbrechen.

Wir rufen auf das "Arnstädter Stadt-Echo" zu boykottieren und alle Zahlungen einzustellen, denn: "Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.", aus dem Schwur der befreiten Häftlinge des KZ Buchenwald. Denn ihr Vermächtnis lebt in unseren Taten fort!

Kein Platz für Faschisten!
Boykott allen Gönnern und Unterstützern!


Antifaschistische Gruppe Südthüringen (AGST),
September 2007


Unterstützt durch die Junge Antifaschistische Linke Arnstadt (JALA) und den Infoladen Arnstadt.



Fußnoten / Quellen:

[1] 06.04.07 + 26.04.07 - http://agst.antifa.net/index.php?menu=news&aid=57 ; 26./27.05.07 - index.php?menu=news&aid=60 ; 02.08.07 - http://agst.antifa.net/index.php?menu=news&aid=73 ; 04.08.07 - http://agst.antifa.net/index.php?menu=news&aid=75
[2] http://agst.antifa.net/index.php?menu=news&aid=63
[3] http://agst.antifa.net/index.php?menu=news&aid=69
[4] http://jala.blogsport.de/images/ausgabe2.pdf
[5] http://www.jala.tk
[6] http://agst.antifa.net/index.php?menu=news&aid=79
[7] http://www.die-linke.stadtrat-arnstadt.de/Offener%20Brief%20K%F6nig%20komplett.pdf
[8] http://agst.antifa.net/kampagne-2007/Presse/TA_07-07-07.htm
[9] Mannheimer Erklärung des deutschen Journalistenverbandes http://djv.de/fileadmin/djv_Dokumente/verbandstag/2006/Doku_Verbandstag_2006_I.pdf (Seite 20)


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